Reflexion
Freitag, 18. März 2016
Gemischte Gefühle
Gemischte Gefühle
Sie war anders als erwartet,
ich habe mich auch sehr, sehr bemüht, (so wie ich es,
bei Menschen, die ich kennenlerne, egal was ich schon vorher
hörte, immer versuche zu tun),
ihr neutral gegenüber zu treten.

Sie suchte ständig meinen Blickkontakt obwohl sie mich
gestern zum ersten Mal sah, redete sehr, sehr viel, im
hiesigen Dialekt. Ich mag diesen Dialekt nicht. Weder bei ihr,
noch bei anderen.
Es war wohl Angst, Angst ihrem Sohn ins Gesicht
zu sehen und Unsicherheit, die sie versuchte zu überspielen.
Sie machte trotzdem keinen unsympathischen
Eindruck. Minus und Minus ergibt Plus?
Aber es war auch anstrengend, ich glaube, sie war etwa
3 Stunden da, sie konnte es nicht ertragen, wenn mal eine Gesprächspause eintrat.
Sie erzählte manches doppelt und dreifach, manchmal in anderer Ausführung,
mit anderen Worten. Sie war sehr aufgeregt, vielleicht war
das auch ihre Art sich selbst zu beruhigen.

Ich glaube, es tut ihr Leid, was passierte, sie kann es nicht
rückgängig machen, dafür ist es zu spät.
Sie hat alles so lange verdrängt und weiß bis heute nicht damit
umzugehen.
Mittlerweile interessiert sie sich für ihren Sohn,
aber ich weiß nicht wie lange, wenn er sich z.B. nicht bei IHR melden würde.
Sie wollte auch mich kennenlernen.
Mal sehen was die Zeit bringt,
vielleicht kann da doch eine Beziehung entstehen.
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Montag, 14. März 2016
Wohlfühlen
Heute fühle ich mich wieder wohl,
so schnell wie sich das Wetter ändert, kann sich meine Stimmung ändern.
Ich werde gesehen, ich werde wahrgenommen.
Ich bin ein wichtiger Teil des Ganzen, meine Gesellschaft wird wertgeschätzt,
so fühlt es sich zumindest an.
Das ist etwas, was mich immer noch jeden Tag von neuem überrascht.

Früher setzten die Leute sich möglichst weit weg von mir, man wollte nicht mit mir gesehen werden.
Später wollte ich das dann selbst nicht mehr.

Heute ist es anders, ich bin immer noch erstaunt darüber.
Mein Honigtopf fühlt sich kuschelig an, ich bin sehr dankbar dafür.
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Sonntag, 13. März 2016
10 Selbstständige
10 Selbstständige wurden gefragt,
was sie in ihrer Freizeit machen.

8 Verstanden die Frage nicht und 2 schliefen ein. ;-)
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Tage wie diese
Ich muss schreiben. Den Kopf frei bekommen, die Tränen loswerden, die Grübelei auch. Obwohl es mir nie gesagt wurde und obwohl ich denke, das mein Mutter sich immer bemüht hat mir Liebe zu zeigen, fühlte ich mich so oft unfähig, dumm, hässlich, sinnlos, schuldig, als schlechter Mensch. Ungeliebt-nicht liebenswert, „ich bin sinnlos-ich bin nichts wert“.
Das kam gerade hoch und das kommt öfter mal hoch.
Unsichtbar… Es macht keinen Unterschied, ob ich da bin oder nicht…unwichtig, überflüssig.
Ich weiß nicht, möglicherweise hat jeder mal solche Gedanken, vielleicht ist es normal.

Es gibt Zeiten, wie die letzten Tage, wo es mir einfach richtig gut geht, da bin ich die ganze Zeit in Blödellaune, bin witzig, bringe die Leute zum Lachen, habe Lust viele Dinge zu unternehmen, bin kreativ, sprühe über vor Ideen und Lebensfreude und dann gibt es wieder Zeiten, in denen das ganze Gegenteil der Fall ist.
Zeiten, in denen ich nicht weiß, wohin mit meinem Hass. Mein Hass auf Andere oder mich selbst.

Ich kann meiner Mutter auch keinen Vorwurf für meine Gefühle machen, ich weiß, dass sie eine sehr traumatische Vergangenheit hat.
Ich hätte ihre Predigt über Familie vielleicht nicht anhören sollen, das ist alles so eine perfekte Fassade, das versteht niemand von außen, sie muss für Andere ein großes Vorbild sein, sie
hatte Anfang Februar gepredigt, das Thema war „Familie“. Sie hat so ein Geltungsbedürfnis.

Ich habe das, was ich bisher positives erreicht habe, selbst erreicht und durch die Hilfe von Therapeuten erreicht, nicht durch ihre Unterstützung.
Aber eigentlich macht sie genau dasselbe wie Therapeuten und Sozialpädagogen.
Das ist irgendwie, …paradox, oder… ich finde das richtige Wort und Gefühl dafür nicht.

Auf Außenstehende muss sie da ganz toll wirken. Sie spricht über zerbrochene Familien, unsere ist auch zerbrochen, genau das was sie da predigt, …alles so verlogen, so scheinheilig… Ich meine sie trieb auch einen Keil (mag sein, dass es nicht so beabsichtigt war, aber zugeben wird sie das nie) zwischen meinen Bruder und mich, um sich zu schützen. Wenn sie in Rage ist, macht sie das immer, sie hat das auch bei M. und mir versucht. Sie fragte M. warum er sich mit einer Frau trifft, das war eine Bekannte von Beiden. Ich vertraue ihm da, aber sie weiß dass ich auf dem Gebiet empfindlich bin. Es ist nicht so, dass meine Mutter sich Sorgen um mich machte, sie fühlte SICH angegriffen. Sie beschuldigte M. er würde mich der Familie wegnehmen, vorher hat sie das nie interessiert. In der Klinik dasselbe, sie wollte mich plötzlich besuchen. Kontrolle.
Aber diese Seite kennen die wenigsten von ihr. Ich kenne sie aber nun mal. Was mir allerdings auffällt, ist dass sie sich trotzdem immer, (trotz dass sie ja oft vor Leuten spricht) wenn sie predigt sich so unsicher anhört, sie lacht immer so nervös, ein komisches gestelltes Lachen, ich hasse dieses Lachen, sie hat auch keinen wirklich Humor, sie versteht keinen Spaß, also meinen sowieso nicht.
Nach dieser Predigt, denke ich, sie bekommt diese fehlende Anerkennung von meiner Schwester und ihren ganzen seelisch kaputten Menschen. Also ich meine, sie bekommt wahrscheinlich zu wenig Wertschätzung und Dankbarkeit von mir, sie erwartet sicher mehr. Ich kann ihr das nicht geben. Logisch, wenn man sich mit den Sorgen und Ängsten anderer beschäftigt, kann man die eigenen gut verdrängen- leider neige ich auch dazu.
Wir stehen uns ja auch nicht sehr nahe. Interessant war, dass sie auch immer nur von „ihrer Tochter“ sprach. Gemeint war meine Schwester, sie sagte zwar am Anfang, sie hat drei Kinder… aber dann ist immer die Rede von „ihrer Tochter“. Glaube allerdings nicht, dass es jemand anderem als mir auffällt.

Die letzten Tage habe ich mich wirklich gut gefühlt… Jetzt gerade fühle ich mich wieder depressiv. Merkwürdig, dass ich von außen als jemand mit einer dauerhaft negativen Grundstimmung wahrgenommen werde. Innerlich sieht es ganz anders aus. Ich muss mir eine sehr gute, kontrollierte Fassade aufgebaut haben. Innerlich ist es ein ständiges auf und ab. Aber ich kann dies nicht so nach außen tragen. Ich bin kein Pessimist, aber auch kein scheinheiliger Optimist.


Meiner besseren Hälfte geht es im Moment auch nicht gut, er wirkt hypochondrisch, er macht sich zu viele Sorgen. Er hat das Gefühl, dass wieder etwas mit seinen Augen nicht stimmt. Aber er war deshalb ja schon beim Spezialisten. Nichts kam raus, nun will er wieder zu einem (anderen) Spezialisten in Bayern.
Am Freitag haben wir erfahren, dass er noch einen Bruder hat, seine Mutter ist so verlogen. Ich habe so einen Hass auf diese Frau, obwohl ich sie noch nie kennengelernt habe. Wie kann man so sein? Sie wollte ihn nicht, aber für die Abtreibung war es zu spät, er hat sie vor ca. 5 Jahren erst kennengelernt. Sie hat das alles verdrängt, mit den Worten „das war damals so“ und nun erfahren wir von M´s
Tante, dass es da noch jemanden gibt. Einen Bruder, er ist im Mai 1987 geboren, wir wissen nur, dass er Sebastian heißt. Ich hoffe wir können ihn finden, er hat ja nun mittlerweile einen neuen Namen. Sie hat ihn, genauso wie M., in der frühen Kindheit weggeben. Er wurde bestimmt auch adoptiert, vielleicht ist er noch in der Nähe.

Mein Problem ist, dass ich auch wenn Zeit dafür ist, über meine Gefühle zu reden, wieder so oft blockiert bin, ich kann nicht darüber reden … ich kann gut drum rum reden…
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