Dienstag, 3. Mai 2016
whiteowl, 10:53h
unterschätzt, falsch eingeschätzt aber für bar verkauft,
manchmal bin ich nur noch angenervt, von so etwas. Leute, die denken sie hätten besonders gute Menschenkenntnis, glauben mich einschätzen zu können, was wissen sie schon über mich ?? Sie wissen nur das, was ich von mir preisgebe und das ist oft im Verhältnis zu dem, was ich erlebt habe, sehr wenig. Wenn ich mal mehr rede, als ich es normalerweise tue, glauben viele, ich hätte ihnen meine komplette Lebensgeschichte erzählt, wie kommen sie darauf? Ich erzähle meist wenig über mich, frage mich dann immer ob das Leben der Anderen geordneter ist? Ich kann mein Leben nicht in 1-2 Sätzen erklären, wer kann das schon? Die Frage ist, muss ich das? Nöööö, ich meine nicht. Ich hätte noch soviel mehr zu erzählen.
Ich bin traurig, eine Person, die mir wichtiger geworden ist, als sie hätte sollen, muss ich bald wieder loslassen. Ich glaube, dieser Person ist dies nicht bewusst. Ich würde den Kontakt gern halten, ihn vertiefen, aber ich denke es ist nicht möglich.
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manchmal bin ich nur noch angenervt, von so etwas. Leute, die denken sie hätten besonders gute Menschenkenntnis, glauben mich einschätzen zu können, was wissen sie schon über mich ?? Sie wissen nur das, was ich von mir preisgebe und das ist oft im Verhältnis zu dem, was ich erlebt habe, sehr wenig. Wenn ich mal mehr rede, als ich es normalerweise tue, glauben viele, ich hätte ihnen meine komplette Lebensgeschichte erzählt, wie kommen sie darauf? Ich erzähle meist wenig über mich, frage mich dann immer ob das Leben der Anderen geordneter ist? Ich kann mein Leben nicht in 1-2 Sätzen erklären, wer kann das schon? Die Frage ist, muss ich das? Nöööö, ich meine nicht. Ich hätte noch soviel mehr zu erzählen.
Ich bin traurig, eine Person, die mir wichtiger geworden ist, als sie hätte sollen, muss ich bald wieder loslassen. Ich glaube, dieser Person ist dies nicht bewusst. Ich würde den Kontakt gern halten, ihn vertiefen, aber ich denke es ist nicht möglich.
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herr klimlof,
Dienstag, 3. Mai 2016, 14:57
und wenn die "so viel mehr" erzähltest, wäre das immer noch nicht all das, was dich tatsächlich ausmacht. Denn sowas lässt sich mE nicht in Worte kleiden.
Solange das allseitig hinlänglich reflektiert wird, lässt sich damit leben. Wenn allerdings Reflexdenker aus Wenigem Alles machen, dann wird es sehr sehr mühsam.
Sich davon nicht nerven zu lassen, scheint mir ein Teil der Kunst des Lebens zu sein. Lebenskunst wird nirgends explizit gelehrt, weshalb man da dann als Autodidakt ran muss. Mit Gleichgesinnten ist's leichter als allein. Zumindest fühlt es sich so an.
Solange das allseitig hinlänglich reflektiert wird, lässt sich damit leben. Wenn allerdings Reflexdenker aus Wenigem Alles machen, dann wird es sehr sehr mühsam.
Sich davon nicht nerven zu lassen, scheint mir ein Teil der Kunst des Lebens zu sein. Lebenskunst wird nirgends explizit gelehrt, weshalb man da dann als Autodidakt ran muss. Mit Gleichgesinnten ist's leichter als allein. Zumindest fühlt es sich so an.
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whiteowl,
Dienstag, 3. Mai 2016, 20:04
Ja das stimmt wohl. Das fällt mir auch immer wieder auf, trotz dass ich mich relativ gut ausdrücken kann, vieles lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Es passiert auch soviel unterbewusst, und selbst wenn ich mir über meine Emotionen im Klaren bin, kann ich das einfach oft nicht so verständlich machen. Da wird dann interpretiert, zusammengereimt usw... Gleichgesinnte sind leider schwer zu finden, aber ein paar habe ich. Es ist okay, mit manchen Menschen nur einen Teil seines Lebens zu gehen. Lebenskunst gelehrt zu bekommen wäre sicher manchmal nicht schlecht gewesen, allerdings müsste es dafür zig Schulen geben, da ist dann wahrscheinlich die große Frage, mit welcher "Lebenskunstrichtung" kann ich mich am besten identifizieren?
Reflexdenker, mir scheint du kennst viele davon?
Reflexdenker, mir scheint du kennst viele davon?
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herr klimlof,
Mittwoch, 4. Mai 2016, 12:55
War selber mal Reflexdenker, was immer mal wieder hochkommt. Sich diesbezüglich zu metaprogrammieren, ist gar nicht so einfach, naja, Metaprogrammierung ist eigentlich nie richtig einfach.
Jedenfalls läuft das Reflexdenken folgendermaßen: Die Medien labeln einen Aspekt respektive ein beliebiges Phänomen unseres postmodernen Lebens mit einem Begriff, an dem dann bestimmte Bedeutungsinhalte hängen, die nicht mehr explizit erwähnt werden müssen. Die hat der willige Reflexdenker sich gemerkt, als das Label geschaffen wurde. Hier ein paar Beispiele
Senioren --> fressen uns die Haare vom Kopf
Alleinerziehende --> leechen sich nur durch (Schlampenpack!)
Bio --> das muss gut sein; sofort kaufen
Innovationen --> wir kommen nicht ohne aus
usw und so fort
Wer sich des Reflexdenkens befleißigt, kann auf diese Weise wesentlich mehr Themen(felder) "bearbeiten", als ohne diese Denktechnik möglich wäre.
Und da ja die Welt immer schneller wird angeblich, gibt diese Methode dem Anwender Mittel in die Denkhand, mit denen sich entsprechend schnell durch jegliches (Des)informationsgewusel eilen lässt.
So ein medial kreiertes Label ist sozusagen das Klischee2.0. War das altbackene Klischee noch ne gewachsene Angelegenheit, die dekonstruiert werden konnte, weil es beispielsweise soziologische Aspekte gab, die die Entstehung erklärbar machen, so ist das Label nicht zwingend erklärbar. Wahrscheinlich kommt man bei der Dekonstruktion in Bereiche, die wegen das angeblichen Verdachts Verschwörungstheorie zu sein, zur analytischen NoGo-zone erklärt werden. Was wiederum ein Labelungsprozess ist.
Mit den Methoden ist den Schwierigkeiten, die die Welt (inkl Kreuch&Fleuch) gerade plagen, auf keinen Fall beizukommen, aber weil ja Alles so schnell gehen muss, vermag diese Erkenntnis nicht durchzudringen... oder weil es im "Kosmischen Rauschen" der Nachrichtensintflut untergeht.
Du hast dich ja selbst gelabelt, indem du dich als Sensibelchen bezeichnest. Das ist zwar ein Klischee, aber heutzutage muss das ja nicht unterschieden werden. Wir haben doch keine Zeit, wie der Raab immer beteuert(e) ;-)
In der Blog-Welt ist dann zu bemerken, dass auch solche Labels wie deines einem positiven Zweck dienlich sein können, und zwar der Vorsortierung.
Ich kenne diverse Leute aus meinem Umfeld, die sofort weiterklicken würden, wenn sie "Sensibelchen" lesen. Und aus dem Bauch heraus vermute ich, dass du mit denen nicht viel Spaß hättest, wenn die tatsächlich einen Kommentar hinterließen :-)
Mir kam die Frage in den Sinn, ob das wohl tatsächlich deinen Eindruck, den du von dir selbst hast, wiedergibt, oder ob es ein von außen aufgedrückter Stempel ist? "Sei doch nicht immer so sensibel!" als wäre es etwas Negatives, ein funktionierendes Gefühlsleben zu haben.
Die Lebenskunstrichtung hat es mit angetan :-)
Ich kann mich da überhaupt nicht festlegen, empfinde deswegen allerdings keinen Druck, da ich als Autodidakt anscheinend genügend erfolgreich war.
Als mein erster Betreuer seinen Antrittsbesuch meine Wohnküche betrat, war ihm seine Verblüffung anzusehen. Er guckt sich um, sammelt sich etwas und eröffnet das Gespräch "Sie sind wohl son... Lebenskünstler, wa?" "Öhhh, das hört sich wirklich gut an. Ja, ich bin wohl son Lebenskünstler."
Da hatte mich der Mann. Natürlich wurde er mein Betreuer. Wie kann ich so einem sympathischen Durchblicker nicht vertrauen?
Jedenfalls läuft das Reflexdenken folgendermaßen: Die Medien labeln einen Aspekt respektive ein beliebiges Phänomen unseres postmodernen Lebens mit einem Begriff, an dem dann bestimmte Bedeutungsinhalte hängen, die nicht mehr explizit erwähnt werden müssen. Die hat der willige Reflexdenker sich gemerkt, als das Label geschaffen wurde. Hier ein paar Beispiele
Senioren --> fressen uns die Haare vom Kopf
Alleinerziehende --> leechen sich nur durch (Schlampenpack!)
Bio --> das muss gut sein; sofort kaufen
Innovationen --> wir kommen nicht ohne aus
usw und so fort
Wer sich des Reflexdenkens befleißigt, kann auf diese Weise wesentlich mehr Themen(felder) "bearbeiten", als ohne diese Denktechnik möglich wäre.
Und da ja die Welt immer schneller wird angeblich, gibt diese Methode dem Anwender Mittel in die Denkhand, mit denen sich entsprechend schnell durch jegliches (Des)informationsgewusel eilen lässt.
So ein medial kreiertes Label ist sozusagen das Klischee2.0. War das altbackene Klischee noch ne gewachsene Angelegenheit, die dekonstruiert werden konnte, weil es beispielsweise soziologische Aspekte gab, die die Entstehung erklärbar machen, so ist das Label nicht zwingend erklärbar. Wahrscheinlich kommt man bei der Dekonstruktion in Bereiche, die wegen das angeblichen Verdachts Verschwörungstheorie zu sein, zur analytischen NoGo-zone erklärt werden. Was wiederum ein Labelungsprozess ist.
Mit den Methoden ist den Schwierigkeiten, die die Welt (inkl Kreuch&Fleuch) gerade plagen, auf keinen Fall beizukommen, aber weil ja Alles so schnell gehen muss, vermag diese Erkenntnis nicht durchzudringen... oder weil es im "Kosmischen Rauschen" der Nachrichtensintflut untergeht.
Du hast dich ja selbst gelabelt, indem du dich als Sensibelchen bezeichnest. Das ist zwar ein Klischee, aber heutzutage muss das ja nicht unterschieden werden. Wir haben doch keine Zeit, wie der Raab immer beteuert(e) ;-)
In der Blog-Welt ist dann zu bemerken, dass auch solche Labels wie deines einem positiven Zweck dienlich sein können, und zwar der Vorsortierung.
Ich kenne diverse Leute aus meinem Umfeld, die sofort weiterklicken würden, wenn sie "Sensibelchen" lesen. Und aus dem Bauch heraus vermute ich, dass du mit denen nicht viel Spaß hättest, wenn die tatsächlich einen Kommentar hinterließen :-)
Mir kam die Frage in den Sinn, ob das wohl tatsächlich deinen Eindruck, den du von dir selbst hast, wiedergibt, oder ob es ein von außen aufgedrückter Stempel ist? "Sei doch nicht immer so sensibel!" als wäre es etwas Negatives, ein funktionierendes Gefühlsleben zu haben.
Die Lebenskunstrichtung hat es mit angetan :-)
Ich kann mich da überhaupt nicht festlegen, empfinde deswegen allerdings keinen Druck, da ich als Autodidakt anscheinend genügend erfolgreich war.
Als mein erster Betreuer seinen Antrittsbesuch meine Wohnküche betrat, war ihm seine Verblüffung anzusehen. Er guckt sich um, sammelt sich etwas und eröffnet das Gespräch "Sie sind wohl son... Lebenskünstler, wa?" "Öhhh, das hört sich wirklich gut an. Ja, ich bin wohl son Lebenskünstler."
Da hatte mich der Mann. Natürlich wurde er mein Betreuer. Wie kann ich so einem sympathischen Durchblicker nicht vertrauen?
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whiteowl,
Donnerstag, 5. Mai 2016, 23:45
Aha, dank deiner Beispiele habe ich jetzt eine gute Vorstellung vom "Reflexdenken", was hat dich zum umdenken bewegt? Also, wie bist du davon abgekommen?
Sensibelchen ist so ein Stempel, den ich von anderen bekam, ja. Zart, verletzlich, schwach, nachdenklich(langsamer als der Spontandenker), empfindsam,... Aber in Klammern deshalb, weil "sensibel sein" zwar als negativ behaftet gilt, ich mich selbst aber mittlerweile nicht mehr so negativ sehe und die Sensibilität nicht mehr als Schwäche wahrnehme.
Manchmal kämpfe ich allerdings doch damit, da das Gefühl entsteht, wie du schon sagtest, immer langsamer zu sein als Andere, nicht mithalten zu können, mit der Schnelle des Lebens... und eben nicht gut genug zu sein, nirgendwo "reinzupassen".
Das mit der Wohnküche interessiert mich jetzt auch näher, wieso sagte der Betreuer das? Hatte jetzt so die Vermutung, dass du Veganer sein könntest?
In Sachen Lebenskunst, was oder wer hat dich geprägt?
Sensibelchen ist so ein Stempel, den ich von anderen bekam, ja. Zart, verletzlich, schwach, nachdenklich(langsamer als der Spontandenker), empfindsam,... Aber in Klammern deshalb, weil "sensibel sein" zwar als negativ behaftet gilt, ich mich selbst aber mittlerweile nicht mehr so negativ sehe und die Sensibilität nicht mehr als Schwäche wahrnehme.
Manchmal kämpfe ich allerdings doch damit, da das Gefühl entsteht, wie du schon sagtest, immer langsamer zu sein als Andere, nicht mithalten zu können, mit der Schnelle des Lebens... und eben nicht gut genug zu sein, nirgendwo "reinzupassen".
Das mit der Wohnküche interessiert mich jetzt auch näher, wieso sagte der Betreuer das? Hatte jetzt so die Vermutung, dass du Veganer sein könntest?
In Sachen Lebenskunst, was oder wer hat dich geprägt?
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herr klimlof,
Sonntag, 8. Mai 2016, 05:19
Das mit dem Reflexdenken hat mir zwar dazu verholfen, als pfiffiger Bursche durch zu gehen, aber die Außensicht muss ja nicht mit der Innensicht übereinstimmen.
Sehr viel meines Draufseins sowohl damals als auch heute gründet sich auf die Polarität, von Leuten, die aus der Kaiserzeit stammten, sozialisiert worden zu sein und dabei die verrückte Hippie-Welt vor Augen zu haben. Das hat zu allerlei Spannungsfeldern geführt, wie beispielsweise meiner Sexualerziehung, die praktisch nicht stattfand, war das Thema doch ein Tabu bei meinen Altvorderen.
"Da guckt man nicht hin." "Da fasst man nicht an." und der krasseste ever war "Lass dir bloß nix weggucken!" Holla, das Ding hält Blicken nicht stand? Wie soll das denn gehen? Also diese Anweisung oder dieser Ratschlag hat mich lange schwer beunruhigt und mir diverse Horomomente verschafft :-)
Und der Blick in die Außenwelt, den ich über die Lektüre von sogenannten Mappen erlangte, zeigte in ganz andere halt neue Richtungen.
Dann kollidierte der alte Kanon, wie man denn auf Freiersfüßen zu wandeln hätte, mit dem, was ich in den Zeitschriften las. Der alte Weg wäre nach heutiger Einschätzung eine Anleitung zum Stalken.
Und Brigitte, Petra und Freundin beschworen ganz andere Qualitäten. Bloß kein Macho sein, war die Devise, zumal ich auch festgestellt hatte, dass die Zielgruppe, die dem alten Weg entsprach, mir nicht so zusagte. Ich stand eindeutig mehr auf die, die keinen Macho wollten.
Beim Erlesen der Aspekte, die damals die Figur des emanzipierten Mannes ausmachten, stieß ich ständig auf den Hinweis, ein ausgewogenes Gefühlsleben zu haben oder die klare Aufforderung zu meinen Gefühlen zu stehen. "Jungs weinen nicht." gehörte ebenfalls zu meinen alten Weisheiten.
Das passte ja Alles vorne&hinten nicht zusammen, und mein "Hauptwerkzeug" war nach wie vor möglichst emotionsfreie Rationalität. Wenn ich Herzschmerz hatte, bin ich dem mit so Mantras wie "Die Intelligenz besiegt das Gefühl." drauf los gegangen und hab mich mit dem Mist selber getollschockt. Dafür würde ich mir gerne ne Zeitreiseohrfeige geben für so einen Blödsinn :-)
"wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum establischment" war noch son Spruch, der nicht passte, aber dennoch ne ziemliche Leitlinie darstellte. Wie das mit dem "Sei bloß kein Macho!" zusammen funktionieren soll, habe ich nie begriffen.
Also habe ich versucht, einen nichtmacho-Don-Juan hinzulegen, was frustig war, wenn's nicht klappte. Ich war kein sehr erfolgreicher Don Juan. Was aber auch nicht rockte, wenn es denn mal klappte mit dem Don.
Diese ganzen Inkonsistenzen haben mir genügend Zweifel darüber verschafft, ob das Schnellmerken und Reflexdenken tatsächlich so förderlich ist. Um sich auf die Schnelle mit nem Satz Vorurteilen zu versorgen, ist es sehr wohl geeignet, aber man sollte dabei im Hinterkopf behalten, dass es wahrscheinlich anders ist, als die Momentaufnahme vermittelt. Ich erkannte, dass es auch sehr wichtig ist, Dinge/Umstände gefühlsmäßig zu erfassen, weil sie dadurch erst ihre eigentliche Wertigkeit entfalten können. Und etwas zu erfühlen dauert ganz klar länger, als schnell ein paar Informationsbrocken aufzulesen und ne plietsche Entscheidung zu fällen.
Die dafür nötige Entschleunigung bescherte mir das Schicksal in Form einer echt abgefahrenen Arbeitsstelle. Arbeitsdienst am Außendeich. Und wenn du den ganzen Tag mit dem riesigen Himmel über dir hast, durch die Tide bedingte Zwangspausen machst und das ganze Wetter dazu, gut wie schlecht, dann bleibt das nicht ohne Wirkung. Das macht was mit einem.
Ein weiteres unmissverständliches Zeichen, dass ich mein Gefühlsleben irgendwie mal gründlich unter die Lupe nehmen sollte, waren zwei Vorfälle im Zusammenhang mit einem plötzlichen Gefühlsausbruch. Der erste war im Teenie-Alter bei meinem einzigen Besuch eines synphonischen Konzerts. Bei einem bestimmten Stück, dass ich nicht einmal kannte vorher, fing ich unvermutet an zu heulen wie ein Schlosshund. Wie gut, dass es sehr dunkel war in dem Konzertsaal. Das hat mich ziemlich irritiert und ich habe es gut beiseite geschoben. Da wollte ich nix mit zu tun haben. Damals war ich noch ein gefürchteter Zyniker, son echt gemeiner Hund (natürlich nicht ununterbrochen), weshalb das irgendwie komplett unpassend war mit der Heulerei.
Etwa zehn Jahre später "passierte" mir dasselbe bei Attenboroughs Ghandi. Da war ich allerdings schon so weit gereift, dass es mich nicht mehr erschütterte, sondern dass ich merken konnte, wie wohl das tat. Mittlerweile wird's echt manchmal zu doll mit dem "nah am Wasser gebaut" :-)
Und die Idee mit der Lebenskunst wurde durch die Hippie-Zeit gefördert. Da war ja Individualismus, bis der Arzt kommt, auf dem Plan. Meine Überlegungen, wie man als moderner Mensch wohl sein müsse, um geeignet zu sein, postkapitalistischen Ansprüchen zu genügen, ließen sich nur in der Form des Lebenskünstlers verwirklichen. Die üblichen Modelle gaben das Alles nicht her. Der klassische Spießer ist viel zu unkritisch und unflexibel. Der moderne Erfolgsmensch mit Karriere- und Kommerzabsichten ist zu rücksichtslos. Was dabei rausgekommen ist und noch rauskommt, kann man sich ja ansehen. Das hat keine Zukunft.
Aber mehr als Bemühen kann man sich halt nicht. Garantien gibt es keine.
Dass der Betreuer den Spruch brachte, führe ich darauf zurück, dass er in der Lage war, durch den ganzen Messi-Müll und die Dekade Renovierungsrückstand hindurch erkennen konnte, dass ich nicht in einer Ruine sondern in einem Palast wohne :-)
Da es sich um ne alte Friesenkate handelt, herrscht hier ein Ambiente, wie es in Neubauten eher nicht zu erzeugen ist. Zudem habe ich keine Mikrowelle oder Dunstabzugshaube oder son modernen Krempel. Die Küchenausstattung hätte es auch in den 60ern schon gegeben, OK, der Geschirrspüler ist dann schon 70er ;-)
Individualismus, dass die Schwarte kracht :-)
Dank Ofenheizung und einem Fünf-Liter-Beuler unter der Spüle als einziger Warmwasserquelle bin ich schon fast in der Nachkriegszeit in einigen Belangen, nur halt mit Doppelverglasung, Wasser-Klosett und Internet. Also doch ziemlich anders :-)
Sehr viel meines Draufseins sowohl damals als auch heute gründet sich auf die Polarität, von Leuten, die aus der Kaiserzeit stammten, sozialisiert worden zu sein und dabei die verrückte Hippie-Welt vor Augen zu haben. Das hat zu allerlei Spannungsfeldern geführt, wie beispielsweise meiner Sexualerziehung, die praktisch nicht stattfand, war das Thema doch ein Tabu bei meinen Altvorderen.
"Da guckt man nicht hin." "Da fasst man nicht an." und der krasseste ever war "Lass dir bloß nix weggucken!" Holla, das Ding hält Blicken nicht stand? Wie soll das denn gehen? Also diese Anweisung oder dieser Ratschlag hat mich lange schwer beunruhigt und mir diverse Horomomente verschafft :-)
Und der Blick in die Außenwelt, den ich über die Lektüre von sogenannten Mappen erlangte, zeigte in ganz andere halt neue Richtungen.
Dann kollidierte der alte Kanon, wie man denn auf Freiersfüßen zu wandeln hätte, mit dem, was ich in den Zeitschriften las. Der alte Weg wäre nach heutiger Einschätzung eine Anleitung zum Stalken.
Und Brigitte, Petra und Freundin beschworen ganz andere Qualitäten. Bloß kein Macho sein, war die Devise, zumal ich auch festgestellt hatte, dass die Zielgruppe, die dem alten Weg entsprach, mir nicht so zusagte. Ich stand eindeutig mehr auf die, die keinen Macho wollten.
Beim Erlesen der Aspekte, die damals die Figur des emanzipierten Mannes ausmachten, stieß ich ständig auf den Hinweis, ein ausgewogenes Gefühlsleben zu haben oder die klare Aufforderung zu meinen Gefühlen zu stehen. "Jungs weinen nicht." gehörte ebenfalls zu meinen alten Weisheiten.
Das passte ja Alles vorne&hinten nicht zusammen, und mein "Hauptwerkzeug" war nach wie vor möglichst emotionsfreie Rationalität. Wenn ich Herzschmerz hatte, bin ich dem mit so Mantras wie "Die Intelligenz besiegt das Gefühl." drauf los gegangen und hab mich mit dem Mist selber getollschockt. Dafür würde ich mir gerne ne Zeitreiseohrfeige geben für so einen Blödsinn :-)
"wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum establischment" war noch son Spruch, der nicht passte, aber dennoch ne ziemliche Leitlinie darstellte. Wie das mit dem "Sei bloß kein Macho!" zusammen funktionieren soll, habe ich nie begriffen.
Also habe ich versucht, einen nichtmacho-Don-Juan hinzulegen, was frustig war, wenn's nicht klappte. Ich war kein sehr erfolgreicher Don Juan. Was aber auch nicht rockte, wenn es denn mal klappte mit dem Don.
Diese ganzen Inkonsistenzen haben mir genügend Zweifel darüber verschafft, ob das Schnellmerken und Reflexdenken tatsächlich so förderlich ist. Um sich auf die Schnelle mit nem Satz Vorurteilen zu versorgen, ist es sehr wohl geeignet, aber man sollte dabei im Hinterkopf behalten, dass es wahrscheinlich anders ist, als die Momentaufnahme vermittelt. Ich erkannte, dass es auch sehr wichtig ist, Dinge/Umstände gefühlsmäßig zu erfassen, weil sie dadurch erst ihre eigentliche Wertigkeit entfalten können. Und etwas zu erfühlen dauert ganz klar länger, als schnell ein paar Informationsbrocken aufzulesen und ne plietsche Entscheidung zu fällen.
Die dafür nötige Entschleunigung bescherte mir das Schicksal in Form einer echt abgefahrenen Arbeitsstelle. Arbeitsdienst am Außendeich. Und wenn du den ganzen Tag mit dem riesigen Himmel über dir hast, durch die Tide bedingte Zwangspausen machst und das ganze Wetter dazu, gut wie schlecht, dann bleibt das nicht ohne Wirkung. Das macht was mit einem.
Ein weiteres unmissverständliches Zeichen, dass ich mein Gefühlsleben irgendwie mal gründlich unter die Lupe nehmen sollte, waren zwei Vorfälle im Zusammenhang mit einem plötzlichen Gefühlsausbruch. Der erste war im Teenie-Alter bei meinem einzigen Besuch eines synphonischen Konzerts. Bei einem bestimmten Stück, dass ich nicht einmal kannte vorher, fing ich unvermutet an zu heulen wie ein Schlosshund. Wie gut, dass es sehr dunkel war in dem Konzertsaal. Das hat mich ziemlich irritiert und ich habe es gut beiseite geschoben. Da wollte ich nix mit zu tun haben. Damals war ich noch ein gefürchteter Zyniker, son echt gemeiner Hund (natürlich nicht ununterbrochen), weshalb das irgendwie komplett unpassend war mit der Heulerei.
Etwa zehn Jahre später "passierte" mir dasselbe bei Attenboroughs Ghandi. Da war ich allerdings schon so weit gereift, dass es mich nicht mehr erschütterte, sondern dass ich merken konnte, wie wohl das tat. Mittlerweile wird's echt manchmal zu doll mit dem "nah am Wasser gebaut" :-)
Und die Idee mit der Lebenskunst wurde durch die Hippie-Zeit gefördert. Da war ja Individualismus, bis der Arzt kommt, auf dem Plan. Meine Überlegungen, wie man als moderner Mensch wohl sein müsse, um geeignet zu sein, postkapitalistischen Ansprüchen zu genügen, ließen sich nur in der Form des Lebenskünstlers verwirklichen. Die üblichen Modelle gaben das Alles nicht her. Der klassische Spießer ist viel zu unkritisch und unflexibel. Der moderne Erfolgsmensch mit Karriere- und Kommerzabsichten ist zu rücksichtslos. Was dabei rausgekommen ist und noch rauskommt, kann man sich ja ansehen. Das hat keine Zukunft.
Aber mehr als Bemühen kann man sich halt nicht. Garantien gibt es keine.
Dass der Betreuer den Spruch brachte, führe ich darauf zurück, dass er in der Lage war, durch den ganzen Messi-Müll und die Dekade Renovierungsrückstand hindurch erkennen konnte, dass ich nicht in einer Ruine sondern in einem Palast wohne :-)
Da es sich um ne alte Friesenkate handelt, herrscht hier ein Ambiente, wie es in Neubauten eher nicht zu erzeugen ist. Zudem habe ich keine Mikrowelle oder Dunstabzugshaube oder son modernen Krempel. Die Küchenausstattung hätte es auch in den 60ern schon gegeben, OK, der Geschirrspüler ist dann schon 70er ;-)
Individualismus, dass die Schwarte kracht :-)
Dank Ofenheizung und einem Fünf-Liter-Beuler unter der Spüle als einziger Warmwasserquelle bin ich schon fast in der Nachkriegszeit in einigen Belangen, nur halt mit Doppelverglasung, Wasser-Klosett und Internet. Also doch ziemlich anders :-)
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